RICHTLINIEN

Erkenntnisse aus der Praxis - für die Praxis.

Richtlinien

Erkenntnisse aus der Praxis - für die Praxis.

Richtlinien.

Zur Vermeidung nosokomialer Infektionen und deren schwerwiegenden Folgen, empfehlen nationale und internationale Institutionen entsprechende Maßnahmen zur Prävention im Rahmen von Richtlinien. Häufig im Fokus: Maßnahmen zur Sicherstellung einer sorgfältigen Händehygiene. 

Internationale Richtlinien zur medizinischen Händehygiene.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der internationale Treiber für eine Verbesserung der Patientensicherheit. Im Jahr 2009 veröffentlichte die WHO einen umfassenden 262-seitigen Bericht mit dem Titel WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. Die aufgeführten Empfehlungen unterstützen medizinische Einrichtungen bei der Umsetzung sicherer Rahmenbedingungen für die Behandlung von Patienten.1

Die Empfehlungen wurden durch die Veröffentlichung der global guidelines on the prevention of surgical site infection im Jahr 2016 weiter ergänzt. Auf 184 Seiten bietet der umfassende Katalog evidenzbasierte Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen in einer Vielzahl von Situationen, die vor, während und nach Operationen auftreten können. Die präoperative chirurgische Händedesinfektion wird von der WHO als besonders bedeutende Maßnahme beschrieben.2

Nationale Richtlinien zur medizinischen Händehygiene.

Deutschland

Robert Koch-Institut: Der Standard für deutsche Krankenhäuser. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut gibt in regelmäßigen Abständen aktualisierte Leitlinien und Empfehlungen heraus, die als Grundlage für Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen dienen. Die aktuelle KRINKO-Empfehlung zur Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens aus dem Jahr 2016 definiert auf mehr als 30 Seiten einen umfassenden Überblick zum Stand der Wissenschaft für die Händehygiene, an denen sich die medizinischen Einrichtungen in Deutschland orientieren.3

Grundlage für die Einhaltung der KRINKO-Empfehlung bildet das Infektionsschutzgesetz (IfSG) mit dem § 23 Absatz 3. In Absatz 3 wird beschrieben, dass die Krankenhäuser sicherstellen müssen, nach dem Stand der Wissenschaft zu handeln, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Die Einhaltung des Standes der Wissenschaft gilt dabei als vermutet, wenn die Empfehlungen der KRINKO befolgt werden. Die KRINKO-Empfehlung nimmt damit einen besonderen Stellenwert unter den Empfehlungen und Leitlinien für die Verantwortlichen medizinischer Einrichtungen ein.

Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH): Umfassende Empfehlungen zu den Anforderungen an Seifen- und Händedesinfektionsmittelspender in Einrichtungen des Gesundheitswesens wurden im Jahr 2012 von der DGKH veröffentlicht. Die Empfehlung setzt sich zum Ziel, die wichtigsten Mindestanforderungen an Seifen- und Desinfektionsmittelspender in Gesundheitseinrichtungen zu beschreiben.4

So empfiehlt die Richtlinie zum Beispiel, dass Seifen- und Händedesinfektionsmittelspender die Verwendung verschiedener Flüssigseifen- und Händedesinfektionsmittelgebinde unterschiedlicher Hersteller erlauben sollen.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): Die AWMF ist ein Netzwerk von mehr als 175 wissenschaftlichen Fachgesellschaften aller medizinischen Fachrichtungen. Ziel der AWMF ist es, die Zusammenarbeit zwischen den wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften zu stärken und die Entwicklung praxisorientierter Leitlinien zu unterstützen.

Neben der KRINKO erarbeitet der Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF in regelmäßigen Abständen ebenfalls Leitlinien zur Händehygiene.

Die aktuelle AWMF-Leitlinie „Händedesinfektion und Händehygiene“ ist als S2 klassifizierte-Leitlinie eine konsensbasierte Leitlinie – für die Inhalte hat dabei noch keine systematische Evidenz-Recherche stattgefunden, jedoch eine formale Konsensfindung der Leitliniengruppe.5

Kanada

Die Public Health Agency of Canada (PHAC) legt nationale Richtlinien für die Prävention  von Infektionen in Kanada fest. Das PHAC liefert evidenzbasierte Empfehlungen, um die die Provinzen und Territorien bei der Überwachung, Verhütung und Kontrolle von nosokomiale Infektionen zu unterstützen.6

Im Jahr 2012 veröffentlichte die PHAC einen Katalog an Empfehlungen zur Händehygiene im Gesundheitswesen. Das Dokument bietet einen umfassenden Überblick von Maßnahmen zur Verbesserung der Handhygiene im Gesundheitswesen.

USA

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC)  sind eine US-Bundesbehörde des amerikanischen Gesundheitsministeriums - ein wichtiges Aufgabengebiet umfasst die Verhütung von Infektionskrankheiten.

Im Jahr 2002 veröffentlichte die CDC einen detaillierten Maßnahmenkatalog zur  Handhygiene im Gesundheitswesen, der als Orientierung für die medizinischen Einrichtungen in den USA dient.7

Richtlinien zur Händehygiene außerhalb des medizinischen Sektors.

Deutschland

Die Arbeitsstättenverordnung dient zur Sicherheit und dem Schutz der Gesundheit der Beschäftigten beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten. Kapitel 4.1 der ArbStättV beschreibt die Ausstattung von Sanitärräumen mit entsprechenden Mitteln für die Reinigung, Desinfektion und Trocknung der Hände.

Zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelhygiene schreibt die Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) für Betriebe, die Lebensmittel herstellen, verarbeiten oder in Verkehr bringen, entsprechende Maßnahmen und die zur Bereitstellung geeigneter Vorrichtungen zur Handhygiene vor.

1 World Health Organization, WHO guidelines on hand hygiene in health care. 2009. 262.
2 Global Guidelines for the prevention of surgical site infection. World Health Organization, 2016
3 RKI, Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2016. 59(9): p. 1189-1220.
4 Assadian, O.K., A.; Christiansen, B.; Exner, M.; Martiny, H.; Sorger, A.; Suchomel, M., Recommendations and requirements for soap and hand rub dispensers in healthcare facilities. GMS Hygiene and Infection Control, 2012. 7(1)
5 AWMF Händedesinfektion und Händehygiene. 2016.
6 Public Health Agency of Canada. Hand hygiene practices in healthcare settings. 2012
7 Centers for Disease Control and Prevention. Guideline for Hand Hygiene in Health-Care Settings: Recommendations of the Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee and the HICPAC/SHEA/APIC/IDSA Hand Hygiene Task Force. MMWR 2002;51